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Samstag
Die tiefstehende Polarsonne lässt die Eiskristalle in der Luft glitzern,
während wir mit dem Motorschlitten über das Eis des
Bottnischen Meerbusens fahren. Gestern abend sind wir mit dem Linienflieger
aus Helsinki in Kemi angekommen und nun sind wir unterwegs zum Eisbrecher Sampo.
| | Eisbrecher Sampo |
Ein Dutzend andere Abenteuerlustige treffen nach und nach auf
Motorschlitten ein. Trotz klirrender Kälte stehen wir an Deck, um zu
beobachten, wie die Sampo sich Meter um Meter ihren Weg über das Eis bahnt;
bis zum Horizont nur Eis und eine frische, schwarze Spur offenen Wassers
hinter uns.
Die Sampo stoppt. "Someone who wants to take a bath?". Zunächst halten wir
das für einen Scherz, denn wer will schon bei -22°C baden.
Man hält uns die orangeroten, wasserdichten Überlebensanzüge, die zur
Notausrüstung gehören, entgegen.
Da lassen wir uns nicht zweimal bitten: hinein in den Anzug und mit einem
Plumps ins Wasser. Wie Korken treiben wir navigationsunfähig zwischen
den Eisschollen herum. Ohne helfende Hände, wären wir wohl sehr schwer
wieder aus dem Wasser herausgekommen.
| | Eisbad |
Nach diesem unterhaltsamen Zwischenstop macht sich die Sampo auf
den Rückweg.
Wir fahren in unser Hotel zurück und geniessen bei einem netten Essen
den langen, langen Polarabend.
Sonntag
Nach zweistündiger Fahrt durch die Tundra erreichen wir die Husky-Farm.
Schlitten und Hunde sind schon für uns vorbereitet. Die Hunde zerren schon
ungeduldig in ihrem Geschirr.
Nach wenigen Metern müssen wir erkennen, dass so ein Hundeschlitten
unglaublich schwer zu steuern ist.
Voran fährt die Hundeschlittenführerin mit dem Leithund und wir versuchen
mit unserem Gefährt zu folgen. Jede kleine Kursänderung ist eine
Herausforderung. Mit vollem Gewicht legen sich sowohl Schlittenführer
als auch der auf dem Schlitten sitzende Passagier in die Kurven.
Umsonst, der Schlitten kommt immer wieder vom Weg ab, prallt gegen Bäume
und kippt um. Die Hunde verheddern sich, und zerren immer weiter voran.
Einige Male mussten wir aus dieser misslichen Lage befreit werden.
| | Schlittenfahrt |
Hundeschlittenfahren ist ein kaltes Vergnügen.
Hände und Füsse fühlen sich tot an und werden erst am Lagerfeuer wieder
schmerzend zum Leben erwachen.
Heute abend erwartet uns der Höhepunkt der Reise - eine Übernachtung im
Schneehotel von Kemi. Gebaut wird mit grossen Eisquadern, die mit Hilfe
von Schneekanonen erzeugt und dann in Form gepresst werden.
Bindematerial ist Wasser, dass bei diesen Aussentemperaturen rasch gefriert.
Leider ist das Hotel, wegen des spät einsetzenden Winters
dieses Jahr nicht ganz fertig geworden. Nur Schneebar und Wohntrakt
sind vollendet.
| | Schneebar |
Wir nehmen noch einen Schlummertrunk in der Schneebar und beziehen dann
unsere Kammer. Als Bett dient ein mit Fellen abgedeckter Eisklotz.
Wir kuscheln uns in unsere mit Lammfellen gefütterten Schlafsäcke und schlafen
gut, wie schon lange nicht mehr.
| | Schneehotel |
Während der Nacht hat eine defekte Schneekanone den Wohntrakt geflutet.
Der Boden in unserem Zimmer ist mit 10cm Wasser bedeckt und darinnen
schwimmt zu meinem Unglück mein Mantel.
Die Zeit bis zu unserem Rückflug muss ich nun, trotz Kälte, im Pullover,
mit triefnassem Mantel im Gepäck, verbringen.
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